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01.05.2013 10:05 Uhr

Aufzugnotrufsystem für Menschen mit Hörbehinderung

Mit einem Aufzug stecken zu bleiben, ist für viele Menschen eine höchst unangenehme Vorstellung. Doch die Allermeisten von ihnen können in einer solchen Notlage vom Lift aus über eine Sprechverbindung mit der Person Kontakt aufnehmen, die ihre Befreiung organisiert. Von dieser beruhigenden Kommunikation abgeschnitten sind jedoch Menschen mit Hörbehinderung. Meldet sich per Lautsprecher im Aufzug die Notrufzentrale, bleibt das Gesagte für sie unverständlich. Im "lichthof" in Gelsenkirchen, dem Tagungshotel des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW (BLB NRW), ist jetzt eine Pilot-Anlage in Betrieb gegangen, die für Abhilfe sorgt: ein einzigartiges, speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Hörbehinderung zugeschnittenes ergänzendes Aufzugnotrufsystem.

 

Über den erfolgreichen Abschluss des Pilotprojektes freuen sich der BLB NRW als Initiator und Hauseigentümer, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), dessen LWL-Integrationsamt Westfalen das Projekt fachlich und finanziell unterstützt hat, sowie die ausführenden Firmen Telegärtner Elektronik GmbH und ThyssenKrupp Aufzüge GmbH. Herzstück des Systems im "lichthof"-Aufzug ist ein Touchscreen. Er ermöglicht es eingeschlossenen Personen mit Hörbehinderung, über eine geschützte Mobilfunkverbindung schriftlich Informationen mit der BLB-eigenen Notrufzentrale in Köln auszutauschen. Das Display wird aktiviert, wenn nach einem Alarm der Versuch, mit den Eingeschlossenen zu sprechen, scheitert. Automatisch werden dann einige Fragen auf dem Touchscreen eingeblendet: "Brauchen Sie Hilfe?" etwa oder "Brauchen Sie einen Krankenwagen?" Geantwortet werden kann über die berührungsempfindlichen Antwortfelder "JA" und "NEIN" auf dem Display. Anschließend erhält die Notrufzentrale die Kommunikation durch regelmäßige Informationen aufrecht, etwa "Ruhe bewahren, Hilfe kommt in 10 Minuten" oder "Hilfe ist da, weg von der Tür".

 

Über die exakten Formulierungen entschieden unter anderem BLB-Beschäftigte mit Hörbehinderung, also potenzielle Nutzer des Systems. Somit ist sichergestellt, dass die Texte von Menschen mit Hörbehinderung auch verstanden werden. Personen, die des Deutschen nicht mächtig sind, können über das Antippen von Flaggensymbolen auf dem Display einen Austausch von Informationen in englischer, französischer oder spanischer Sprache aktivieren. Zu der Pilot-Anlage gehört auch eine in der Aufzugdecke installierte Kamera. Schlägt die Sprechverbindung fehl, macht sie ein Foto vom Kabineninneren. Es verschafft der Notrufzentrale Klarheit darüber, ob ein Fehlalarm vorliegt oder sich tatsächlich Personen im Aufzug befinden, möglicherweise sogar verletzt oder ohnmächtig am Boden liegen und sich deshalb nicht melden - ein weiterer Zusatznutzen des Systems, der im Ernstfall auch Menschen mit andersartigen Behinderungen und Menschen ohne Behinderung zugutekommt. Das Foto wird im Anschluss gelöscht, um den Datenschutzvorschriften Genüge zu tun.

 

Initiiert hatte das Projekt der BLB NRW, nachdem Beschäftigte mit Hörbehinderung des Landesbetriebes bei einer Tagung im "lichthof" auf das Problem aufmerksam gemacht hatten. Diese Beschäftigten waren es auch, die das System in der Testphase in den vergangenen Monaten vor Ort umfangreich ausprobiert und zahlreiche Verbesserungsvorschläge gemacht haben. Der "lichthof" an der Leithestraße in Gelsenkirchen ist das Tagungshotel des BLB NRW. Der schult in dem ehemaligen Zechengebäude seine rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 200 von ihnen haben eine schwere Behinderung, 30 eine Hörbehinderung. Der "lichthof" steht aber auch für Fortbildungen externer Veranstalter zur Verfügung. Unter anderem nutzen der NRW-Landesgehörlosenverband und der NRW-Landesverband des Deutschen Schwerhörigenbundes das Haus für Seminare und Tagungen. Unter den Gästen des "lichthofs" sind mithin viele Menschen, denen die nun in Betrieb genommene Pilot-Anlage im Ernstfall eine wertvolle Hilfe sein wird.



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