Leitfaden barrierefreier Brandschutz

Leitfaden barrierefreier Brandschutz

Titel des Fachbuchs "Barrierefeier Brandschutz"Wie lassen sich die baulichen Anforderungen an Barrierefreiheit und Brandschutz miteinander kombinieren? Wie lassen sich verlässliche und übertragbare Konzepte entwickeln, die die Entwicklung von durchdachten Brandschutzkonzepten in Einrichtungen für behinderte Menschen vereinfacht und von der Einzelfallentscheidung auf eine übergeordnete Ebene stellen? Die beiden Autoren Johannes Göbell und Steffen Kallinowsky sind Experten auf dem Gebiet des ingenieurmäßigen Brandschutzes. Zudem hat Johannes Göbell während der Arbeit am Buch den Blickwinkel des Betroffenen einbezogen, weil er selbst schwer erkrankte.

 

 

Ausgangspunkt des Fachbuchs für Methodik, Konzepte und Maßnahmen barrierefreien Brandschutzes ist eine ernüchternde Umfrage, die die Autoren im Rahmen von zwei wissenschaftlichen Arbeiten durchgeführt haben und als Grundlage für den Leitfaden herangezogen haben. Dazu wurden 600 Behinderteneinrichtungen befragt. In der Umfrage kam zum Vorschein, dass es in jeder fünften Einrichtung schon mindestens einmal einen Vorfall mit Feuer gegeben hat, an den sich der Befragte erinnern konnte. In etwa vier Prozent der Objekte hat es schon mehrfach gebrannt. Die Autoren bewerten dieses Ergebnis vor allem deshalb als problematisch, weil es keine spezifischen Regelungen zum Brandschutz für Behinderteneinrichtungen gibt. So schildern die Autoren, dass kaum einer der Brandschutzzuständigen in den Einrichtungen detailliert Auskunft über das Evakuierungskonzept geben konnte. Die Auswertung ergab zudem, dass etwa 90 Prozent der Befragten konkrete Handlungsempfehlungen für den Brandschutz begrüßen würden. Nur etwas mehr als ein Drittel der Einrichtungen führen regemäßige Feueralarmübungen mit der Feuerwehr durch.

 

 

Die Autoren stellen die Praktikabilität ihres Leitfadens in den Vordergrund. So formulieren sie als Ziel, Brandschutzplanern und Betreibern von Einrichtungen mit behinderten Menschen einen brauchbaren Leitfaden an die Hand geben zu wollen, der den vorbeugenden Brandschutz in den Blick nimmt. Er richtet sich an Träger der Behindertenhilfe, Architekten und Brandschutzplaner mit den Zielen, mehr Sicherheit zu erreichen und die speziellen Bedürfnisse behinderter Menschen bei der Planung und Realisierung eines Brandschutzkonzeptes in den Vordergrund zu stellen. Sie geben Handreichungen für die Analyse der Brandgefahr vor Ort und die methodische Ableitung eines Brandschutzkonzeptes. Zugleich plädieren die Autoren für einen erweiterten Begriff von „Barrierefreiheit“, nämlich den des „Universal Designs“, der auf den amerikanischen Architekten Ronald L. Mace zurückgeht. Es fordert, grundsätzlich jedes Design so zu planen, dass es universell und ohne Ausgrenzung von Menschen nutzbar wird. Nach Meinung der Autoren gehört es dann auch dazu, die Entwicklungen relevanter Technologien in die Methodik zum Brandschutz einzubeziehen wie zum Beispiel Exoskelette und treppenfähige Rollstühle zur Wiederherstellung der Gehfähigkeit von Rollstuhlfahrern. Maxime u.a. dabei: Das Recht auf Selbstrettung muss in Einrichtungen mit überwiegenden Anteilen behinderter Menschen umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund skizieren Göbell und Kallinowsky den schrittweisen Weg hin zu einrichtungsbezogenen Evakuierungskonzepten, konkrete Brandschutzmaßnahmen und den Nachweis von Evakuierungszeiten. Eine gelungene Handreichung für einen Brandschutz, mit dem sich für Menschen unabhängig von ihren körperlichen und geistigen Voraussetzungen ein Höchstmaß an Sicherheit erreichen lässt.

 

 

Johannes Göbell und Steffen Kallinowsky:
Barrierefreier Brandschutz
Methodik – Konzepte – Maßnahmen
FeuerTRUTZNetwork und Verlagsgesellschaft Rudolf Müller 2016.
304 Seiten mit 79 farbigen Abbildungen und 67 Tabellen
ISBN: 978-3-481-03423-8
Einführungspreis (bis 31.3.2016): 49 Euro, danach 59 Euro.
Auch als E-Book erhältlich.