Was bringt die Reform der Pflegestufen?
Pflegereform 2017 handschriftlich auf Papier

Was bringt die Reform der Pflegestufen?

Es sind vor allem zwei zentrale Neuerungen, die im sogenannten zweiten Pflegestärkungsgesetz (Pflegereform) maßgeblich wirken sollen: Die Orientierung an einem neuen Pflegebedürftigkeitsgesetz sowie ein neues Begutachtungsverfahren. Doch was genau steckt dahinter und was bedeutet es für Pflegebedürftige, Pflegepersonen und pflegende Angehörige?

 

Seit 1. Januar 2017 gilt ein neues Begutachtungsverfahren und die Umstellung der bisherigen Pflegestufen auf Pflegegrade wirksam werden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe geht davon aus, dass damit erstmals alle Pflegebedürftigen einen gleichberechtigten Zugang zu Pflegeleistungen haben – gleichgültig ob sie körperlich eingeschränkt sind oder dementielle Veränderungen aufweisen. Hermann Gröhe bezeichnet die Neuerungen sogar als „Meilenstein“ und geht davon aus, dass mit dem Gesetz Pflegebedürftige mehr Hilfe erhalten, Angehörige besser abgesichert sein werden und Pflegekräfte mehr Zeit für die Versorgung erhalten.

 

Mit der Umsetzung des Gesetzes sollen pflegende Angehörige zukünftig einen Anspruch auf Pflegeberatung haben, automatisch dann, wenn Leistungen bei der Pflegeversicherung beantragt werden. Die Rahmenverträge über die pflegerische Versorgung sollen mit Blick auf die neuen Vorgaben zur Personalausstattung angepasst werden. Zudem sollen Träger von Pflegeeinrichtungen die Personalstruktur und die Personalschlüssel prüfen und ggf. anpassen. Der Pflegebevollmächtigte Staatssekretär Karl-Josef Laumann bewertet es als „Quantensprung“, weil durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff Minutenpflege und Defizitorientierung der Vergangenheit angehören sollen. Stattdessen soll eine individuelle Begutachtung mit Blick auf die Selbstständigkeit erfolgen. Entlastung bringen soll auch die flächendeckende Einführung einer vereinfachten Pflegedokumentation, des sogenannten Strukturmodells.

 

Insgesamt fünf Milliarden Euro werden ab 2017 jährlich zusätzlich für die Pflege zur Verfügung stehen, durch eine auf 2017 vorgezogene Dynamik weitere 1,2 Milliarden Euro. Gegenfinanziert werden die Ausgaben über eine Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung für Kinderlose.

Was ändert sich durch die Pflegereform für pflegebedürftige Menschen?

Die rund 2,7 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland werden automatisch in einen der neuen Pflegegrade übergeleitet. Ein neuer Antrag muss nicht gestellt werden. Liegen körperliche Einschränkungen vor, erfolgt die Einstufung in den nächst höheren Pflegegrad. Bei einer festgestellten erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz erfolgt die Überführung in den übernächsten Pflegegrad. So wird ein Mensch mit dementiell bedingten Einschränkungen zum Beispiel von Pflegestufe 0 in Pflegegrad 2 überführt. Die Bundesregierung geht davon aus, dass dadurch niemand schlechter gestellt wird, sondern die meisten mehr Unterstützung erhalten werden.

 

Mehr Leistungen auch in stationären Pflegeeinrichtungen: Hier wird ein einheitlicher pflegebedingter Eigenanteil für die Pflegegrade 2 bis 5 eingeführt, der nicht mit zunehmender Pflegebedürftigkeit steigt. Zudem haben Pflegebedürftige in voll- oder teilstationären Pflegeeinrichtungen zukünftig einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsangebote.

 

Darüber hinaus verbessert sich die soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen durch mehr Rentenbeiträge der Pflegeversicherung, abhängig vom Umfang der Pflegeleistung und dem Pflegegrad. Eine Verbesserung ergibt sich auch in der Arbeitslosen- und Unfallversicherung von Pflegepersonen.

Wie erfolgt die Einordung zu Pflegestufen nach der Pflegereform?

Ab 1. Januar 2017 sollen bei der Begutachtung von Menschen mit Pflegebedarf körperliche, geistige und psychische Einschränkungen einbezogen werden. Die Selbstständigkeit wird in den Bereichen Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingen Anforderungen und Belastungen sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte bewertet.

 

Folgende Leistungen (in Euro) sind mit den Pflegegraden, hier PG, verbunden:

 

    PG1   PG2   PG3   PG4   PG5
 Geldleistung ambulant 316 545 728 901
 Sachleistung ambulant 689 1298 1612 1995
 Entlastungsbetrag ambulant (zweckgebunden) 125 125 125 125 125
 Leistungsbetrag stationär 125 770 1262 1775 2005
Bundesdurchschnittlicher pflegebedingter Eigenanteil 580 580 580 580

 

Hilfsmittel und Produkte für ein barrierefreies Leben