Wenig Barrierefreiheit in Arztpraxen

Wenig Barrierefreiheit in Arztpraxen

Statistik zur Barrierefreiheit in Arztpraxen. Quelle: Stiftung GesundheitSelten sind Arztpraxen in Deutschland umfassend barrierefrei, das heißt auch für Menschen mit Einschränkungen der Sinneswahrnehmung, im Rollstuhl, mit Rollator, Kinderwagen oder Gehhilfe ohne Hindernisse wie zum Beispiel Treppenstufen oder Absätze erreichbar. Die Stiftung Gesundheit hat dazu jetzt eine Studie vorgelegt, die nur etwa einem Drittel der deutschen Arztpraxen bescheinigt, zumindest über Vorkehrungen zur Herstellung von Barrierefreiheit wie zum Beispiel einem ebenerdigenZugang oder einem Aufzug zu verfügen.

 

In vielen Arztpraxen mangelt es an barrierefreier Einrichtung

 

Gerade an Orientierungshilfen für Sehbehinderungen fehle es nach Angaben der Autoren der Studie vielerorts in den Arztpraxen. Die Analyse mit dem Titel „Arzt Auskunft“ der Stiftung Gesundheit ist ein bundesweites Verzeichnis, das niedergelassene Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und Kliniken listet. Daraus ergibt sich, dass nur bei 63.613 von 212.167 Praxen ein stufenfreier Zugang vorhanden ist. Über Orientierungshilfen für Sehbehinderte verfügen lediglich 4820 Ärzte.
Die Stiftung Gesundheit bewertet die barrierefreie Ausstattung von Arztpraxen als „noch immer unzureichend“ wie ihr Vorstand Stefanie Woerns in einer Pressemitteilung zitiert wird. Vielmehr seien die Arztpraxen in Deutschland „ein bisschen barrierefrei“, kritisiert die Stiftungsvertreterin. Gleichzeitig, so schränkt sie ein, habe das Bewusstsein für das Thema und die Voraussetzungen für Barrierefreiheit unter der niedergelassenen Ärzteschaft zugenommen. Allerdings schieße diese nicht die formalen Regelungen für die Gestaltung von barrierefreiem Wohn- oder Arbeitsumfeld mit ein.

 

Barrierefreiheit in Arztpraxen lässt sich nachrüsten, sagt Marco Gedert von barrierefrei.de

 

„Dabei lässt sich die Praxisinfrastruktur auch in bestehenden Räumen in den meisten Fällen leicht baulich so ergänzen, dass ein barrierefreier Zugang möglich wird“, erklärt Diplom-Ingenieur Marco Gedert, Geschäftsführer des Portals barrierefrei.de, das Rollstuhlrampen, Haltegriffe und vieles mehr anbietet, womit sich Barrierefreiheit mit vergleichsweise wenig Aufwand nachrüsten lässt. „Gerade in Einrichtungen des Gesundheitswesens entsteht durch das zunehmende Alter der Patienten ein erhöhter Bedarf an Hilfsmitteln, die einen ungehinderten Zugang ermöglichen. Zunehmend mehr Menschen sind aufgrund des demografischen Wandels auf Gehhilfen oder Rollstühle angewiesen und eben auch auf regelmäßige ärztliche Hilfe“, schildert Marco Gedert. Für Arztpraxen eignen sich zum Beispiel Rollstuhlrampen zur Überwindung von Hürden, Treppen oder Schwellen, automatische Türöffner oder spezielle Haltegriffe. Zudem sollten Praxen über genügend Raum verfügen, um Rollatoren oder Rollstühle abstellen zu können, empfiehlt der Experte für barrierefreies Bauen, Wohnen und Leben.