Kinderlähmung (Polio) – was ist das?

Kinderlähmung (Polio) – was ist das?

Sie ist hochansteckend, gilt jedoch in Deutschland bzw. Europa durch verfügbare Impfstoffe und flächendeckende Impfung als eine sehr seltene Erkrankung: Die Kinderlähmung, auch Polio bzw. Poliomyelitis genannt. Die Weltgesundheitsorganisation gibt an, Europa sei seit 2002 poliofrei, allerdings ist es im Jahr 2010 zu Poliofällen in Tadschikistan gekommen. In den allermeisten Fällen – Medizinstatistiken gehen von 95 Prozent aus – verläuft die Infektion mit Polioviren völlig symptomfrei.

Etwa vier bis acht Prozent der Infizierten klagen über Symptome wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber, Hals- und Muskelschmerzen sowie Durchfall und Erbrechen. Diese Symptome können rasch wieder abklingen ohne bleibenden Schaden zu verursachen. Nur etwa zwei Prozent der Patienten entwickelt nach drei bis sieben Tagen nach den ersten Symptomen eine Hirnhautentzündung mit Fieber, Kopfschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen sowie Muskelkrämpfen.

Ein besonders schwerer Krankheitsverlauf tritt bei etwa 0,1 Prozent der Patienten auf. Dann stehen Nervenschädigungen im Vordergrund. Es kommt zu leichten Bewegungsbeeinträchtigungen bis hin zu Lähmungen mit Schmerzen, häufig in den Oberschenkeln, aber auch im Arm-, Bauch- bzw. Brustbereich oder in der Augenmuskulatur. Auch eine Harn- und Stuhlinkontinenz und in wenigen Fällen Atem- und Schluckbeschwerden können auftreten – dann meist verbunden mit einer hohen Sterblichkeit.

Ein Drittel bis etwas mehr als die Hälfte der Patienten, die von einer klassischen Kinderlähmung betroffen waren, entwickeln Jahre oder Jahrzehnte nach der Infektion erneut Lähmungen und Muskelschwund. Dieses Post-Polio-Syndrom tritt meist im fünften Lebensjahrzehnt auf und geht einher mit verminderter Leistungsfähigkeit, Schmerzen in Gelenken, Muskelschwäche und Depressionen.

Wie wird Polio (Kinderlähmung) übertragen?

Die Krankheit wird durch das sogenannte Poliovirus ausgelöst und durch Schmierinfektion bei körperlichem Kontakt mit einer erkrankten Person oder durch unsauberes Trinkwasser oder Nahrungsmittel übertragen. In der frühen Phase der Infektion ist eine Tröpfcheninfektion möglich.

Wie sieht die Therapie bei Kinderlähmung bzw. Post-Polio-Syndrom aus?

Die Behandlung bei Polio richtet sich auf die Symptome, weil es keine antiviralen Medikamente gegen das Virus gibt. Bricht Polio akut aus, ist Bettruhe und ggf. eine fiebersenkende Medikation erforderlich. Direkt an die akuten Symptome sollte Krankengymnastik erfolgen, um Muskelbeeinträchtigungen oder Lähmungen zu verhindern – auch bei Post-Polio-Patienten. Entscheidend ist die Therapie in den ersten sechs Monaten nach der akuten Infektion. Besonders positiv auf den weiteren Verlauf wirkt sich in dieser Zeit Krankengymnastik aus. Etwa die Hälfte der Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf muss mit bleibenden Schäden, Muskelschwäche und eingeschränkter Leistungsfähigkeit rechnen.