Lange Wege zu barrierefreier Infrastruktur
Grafik: Rolstuhlfahrer, Häuser, Großstadt, Straße

Lange Wege zu barrierefreier Infrastruktur

Ein Test des ADAC Ende 2018 hat ergeben, dass die Barrierefreiheit in den deutschen Städten noch ausbaufähig ist. Der Automobil-Club betrachtete die barrierefreien Zugänge zu Einrichtungen des öffentlichen Lebens.

Das Ergebnis: Gemeinden und Betreiber von Institutionen sind am Ausbau von Barrierefreiheit interessiert, müssen aber noch deutlich nachlegen.

Barrierefreiheit nützt Menschen mit und ohne Beeinträchtigung

Es seien noch viele Anstrengungen nötig, bis alle Wege des täglichen Lebens barrierefrei erreichbar sind,  beschreibt der ADAC Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker. Kommunen und Betreiber von Einrichtungen des öffentlichen Lebens seien gleichermaßen gefordert, sich für dieses wichtige Thema noch mehr zu engagieren.

Barrierefreiheit komme Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen zu Gute. Gleichzeitig biete sie auch allen anderen Menschen mehr Komfort und Zugänglichkeit, betont Becker.

Nicht wenigen Bereichen des Alltags mangelt es an Barrierefreiheit

In jeweils fünf Einrichtungen in zehn deutschen Großstädten wurde der Test durchgeführt. Die Daten wurden unter Berücksichtigung der Kriterien für Barrierefreiheit ausgewertet.

Im Test erfüllte keine der 90 überprüften Treppen die Ansprüche vollständiger Barrierefreiheit. Die Kanten der Stufen wiesen zwar meistens eine Markierung auf, nur selten fanden sich aber am Beginn der Treppe im oberen Bereich Aufmerksamkeitsfelder. Diese sollen einen Sturz verhindern. 75 Aufzüge wurden im Test untersucht. Kein Drittel erfüllte die wichtigsten Voraussetzungen für Barrierefreiheit.  Bei den Rollstuhlrampen waren das sogar nur 17 Prozent.

Schwierigkeiten verursachen Bedienelemente bei fast zwei Drittel der Parkscheinautomaten, die zu hoch montiert sind. Unter den Ticketautomaten des öffentlichen Personennahverkehrs kommt das bei mehr als drei Viertel vor. Etwa die Hälfte der Haltestellen hatten keine tastbaren Sicherheitsstreifen. Nur rund zwei Drittel waren kontrastreich.

Theken, Aufzüge und Automaten hatten genügend Freiraum, jedoch konnten die Theken selten unterfahren werden. Der Platz zwischen Hindernissen im öffentlichen Bereich war meistens breit genug, aber die Hindernisse selbst nicht immer optimal gekennzeichnet. Barrierefreie Parkplätze lagen in der Regel im gesetzlichen Rahmen. Allerdings stellen Längsparkplätze auf der Straße in normaler Breite eine Gefahr dar. Denn wer dort auf der Fahrerseite das Fahrzeug verlässt, findet sich mitten im Verkehr wieder.

Manches ist jedoch schon positiv wahrnehmbar

Die Wege auf Parkplätzen und in den Einrichtungen nahm der ADAC-Test meistens als gut begeh- und befahrbar wahr. Ampeln wiesen sehr häufig ein tast- oder hörbares Signal auf. Die Tasten waren fast immer in guter Reichweite. Kreuzungen waren für Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit und Rollstuhlfahrer überwiegend zu passieren, auch wenn der Bordstein nicht immer niedrig war.

Genau diese Tatsache allerdings ist für blinde und sehbehinderte Menschen von Vorteil. Denn diese können den hohen Bordstein als Schwelle zum Ertasten nutzen, da meistens keine Bordsteinmarkierungen vorhanden sind.